Senioren am Steuer – Risikofaktor auf vier Rädern?

In der letzten Vorstandssitzung hat sich die SENIOREN UNION der CDU Limburg intensiv mit diesem Thema befasst. Anlass sind die sehr unterschiedlichen Meinungen, vor allem auch in der Presse, ob „Pflichtuntersuchungen und/oder ein Risiko-Aufschlag bei der PKW-Versicherung“ einen Nutzen für den allgemeinen Autoverkehr hätte. Nach Unfällen mit Beteiligung älterer Menschen entflammt immer wieder die Diskussion um Altersbegrenzungen fürs Autofahren oder regelmäßige Eignungs-/oder Fitnesstests. Diese kontroversen und für die älteren Mitbürger teilweise disqualifizierenden Äußerungen lassen alle Alarmglocken läuten.

Für das Jahr 2030 wird geschätzt, dass 35% aller Führerscheininhaber Senioren/innen über 65+ sein werden. Das wird also maßgeblich die zukünftige Verkehrssicherheit beeinflussen. Die Auto-Mobilität der Senioren/innen trägt aber sehr wesentlich dazu bei, ihre Beweglichkeit und damit ihre „Lebensqualität“ zu erhalten. Die mit hohen Kosten verbundene Hilfsbedürftigkeit wird damit möglichst lange vermieden. Zwangstests zur Überprüfung der Fahrtauglichkeit und/oder gesundheitliche Pflichtuntersuchungen lehnen wir ab. Wir sind der Auffassung, dass die Nachteile überwiegen werden, denn „die Angst vor einem Selektionsprozess“ führt zu gefährlichen Arten der Mobilität, wie Fahrradfahren oder andere altersrelevant riskante Fortbewegungsarten. Im Auto ist der ältere Mensch in vielen Fällen am sichersten unterwegs. Er fährt konzentriert und überlegt und meidet Risiken. Nur etwa 40% der im Straßenverkehr getöteten Senioren/innen sind Autoinsassen, 50% dagegen sind Fußgänger oder Radfahrer – etwa die Hälfte aller getöteten Fußgänger und Radfahrer sind Senioren/innen. Fazit: Senioren/innen  65+ gefährden bei Unfällen sich selbst besonders stark und weniger stark die Kollisionspartner!

Befähigen statt Aussondern muss deshalb höchste Priorität haben!   So kann geringe jährliche Fahrpraxis gepaart mit Angst vor dem umkämpften Verkehrsraum eine wesentliche Ursache sein für Defizite beim sicheren Fahren. Statt ältere Menschen in ihrer Mobilität – vor allem durch evtl. Vorschriften oder neue Gesetze – weiter einzuschränken, spricht sich die SENIOREN UNION der CDU dafür aus, das Angebot an freiwilligen Beratungs- und Qualifizierungsmaßnahmen auszubauen. Auf diese Weise können Senioren, insbesondere wenn sie 75 Jahre und älter sind, individuelle Schwächen erkennen und gezielt ein situationsgerechtes Fahrverhalten einüben. Wer könnte das leisten? Zu allererst der verantwortungsbewusse Autofahrer selbst, dann Vertrauenspersonen aus dem engsten Familienkreis, die Haus- und Fachärzte.  Außerdem sind Verkehrsclubs, Versicherer (z.B. mit Boni) und die Politik gefordert, dem älteren Mitbürger die Lebensqualität zu erhalten, die er aufgrund seines „biologischen Alters“ noch haben darf. Altersabhängige Pflichtprüfungen (z. B. nach Unfällen) mit derzeit bekannten Methoden sind deshalb ungeeignet, denn entsprechende Forderungen ignorieren den Wissensstand des Führerscheininhabers. Der Nutzen eines fahrtechnischen Trainings kommt der Verkehrssicherheit zugute und – bei vorhandenen und selbst erkannten Defiziten – vor allem dem älteren Selbstfahrer, da er bei einem Unfall altersbedingt die höchste Verletzungsgefahr trägt. Im eigenen Auto fühlen sich viele Senioren sicherer als auf unseren Bürgersteigen und Wegen, zumal nunmehr noch die Elektroroller den öffentlichen Raum zusätzlich belasten.  Wir alle – die ältere Generation – sind gefordert, mit Selbstbewusstsein und positiven Beispielen für unsere Akzeptanz in der mobilen Gesellschaft zu sorgen. Tue das Richtige und sprich darüber!